Landgericht Berlin - 07. Mai 2008

Litt der Geiselnehmer vom Berliner Hauptbahnhof an Verfolgungswahn?


Sechs Monate nach der Geiselnahme im Berliner Hauptbahnhof hat am 07. Mai vor dem Berliner Landgericht das Sicherungsverfahren gegen einen 27-Jährigen Geiselnehmer türkischer Abstammung begonnen.

Seit seiner Festnahme befindet sich der Mann in der geschlossenen Psychiatrie.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 27-Jährigen Menschenraub und versuchten Totschlag vor.

Im November 2007 nahm er einen 34-Jährigen Kellner eines Coffee Shop im Bahnhofsgebäude zwei Stunden lang als Geisel in seine Gewalt.

Mit einer Hand hielt der Angeklagte bedrohlich ein Messer gegen den Hals des Opfers.

„Ich wollte niemanden töten, ich wollte einen Arzt“, sagt der geständige Mann.

Er gibt an, von Killern verfolgt zu werden. Ist es die Taktik eines durchdachten Plans oder ist der reine Psychowahn?

Damals, als die Polizei erschien, soll der Mann 30 000 Euro, freies Geleit, ein Flugzeug, sowie ein Mobiltelefon für sich verlangt haben. Für den Fall einer Weigerung, kündigte er die Tötung der Geisel an.
Über zwei Stunden befand sich das Opfer in der Gewalt des Mannes, bevor dieser von der Elitetruppe der Berliner Polizei überwältigt wurde.
Nach Angaben der Verteidigung leide der
27-Jährige an einer schizophrenen Psychose. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, so könnte der Mann möglicherweise schuldunfähig sein.

Vor Gericht gibt das Opfer zur Entlastung des Täters an, er habe das Messer an seinem Hals nicht gespürt. Auch habe der Angeklagte ihm zum Anfang bereits erklärt, er würde ihm nichts tun, und das er nur ein Telefon wolle um seine Familien vor möglichen Gefahren zu warnen.

Die Situation eskaliert, als der Geiselnehmer rastlos aus dem Coffee Shop rennt.

Die Anklage fordert daher die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie.

Schizophrene Psychosen