Landgericht Berlin - 16. Dezember 2008

Alles was sich die Frau wünscht, ist ein neuer Bauch.
Die Schönheitsoperation war ein Geschenk zum 50. Geburtstag. Es wurde Fett abgesaugt und die Bauchdecke gestrafft. Jetzt ist Anja S. tot.

Die Staatsanwaltschaft erhebt schwere Vorwürfe gegen den 58-Jährigen Berliner Arzt und beschuldigt ihn
der Körperverletzung mit Todesfolge.

Anja S. ist gestorben, an den Folgen einer Operation. Für ihren Traum vom neuen Bauch ging sie zu dem Berliner Schönheitschirurgen Reinhard Sch., der mit einem Team erfahrener Ärzte wirbt.

1800 Euro sollte der neue Bauch kosten.

Der Schönheitschirurg aber soll gepfuscht haben. Er habe keinen Anästhesisten hinzugezogen.

"Dies sei eine kunstfehlerhafte Operation gewesen", so der Richter.

Während der Operation erlitt die 49-Jährige Frau einen Herz-Kreislauf-Zusammenbruch. Reinhardt Sch. habe zwar reanimiert, trotzdem erlangt Anja S. ihr Bewusstsein nicht mehr wieder.

Auch habe der Angeklagte erst viele Stunden später den Transport in das
nahe gelegenen St. Gertraudenkrankehaus veranlasst. Seine Kollegen belasten den 58-Jährigen vor Gericht jetzt schwer.

Die Ärzte distanzierten sich im Zeugenstand deutlich vom Verhalten des Angeklagten.

"Nach einer Reanimation sei nach allgemeinem Standard sofort der Notarzt einzuschalten", sagte einer der Ärzte.

Bei der Art der Betäubung ohne Anästhesisten zu arbeiten sei „in hohem Maße fahrlässig, verantwortungs- und rücksichtslos“.


Die Patientin schlafe und sei „jederzeit weckbar“, teilt Reinhard Sch. den Intensivmedizinern noch mit und verschwan schnell. Auch der versprochene Operationsbericht ließ auf sich warten.

„Wir wussten nicht, was geschehen war, welche Medikamente sie bekommen hatte“, sagte gestern ein Intensivmediziner als Zeuge.

Anja S. sei auch nicht ansprechbar gewesen, sondern „tief komatös“.

Sie starb zwölf Tage später.

Fünf Tage Untersuchungshaft lagen hinter dem 58-jährigen Chirurgen, als er zum zweiten Prozesstag vorgeführt wurde.

Im Gerichtssaal wurde er verhaftet. Wegen Verdunklungsgefahr.

Seine ehemalige Mitarbeiterin übergibt dem Gericht ein Schreiben in welchen Antworten gegenüber dem Richter vermerkt seien.

Das Gericht sieht in dem Schreiben von Reinhard Sch. eine klare Beeinflussung der Zeugin.

Viele Zeugen und Geschädigte sollen noch gehört werden.

Der Prozess ist terminiert bis ins Jahr 2009