05. November 2008-Landgericht Berlin

Barbesitzer soll mehrere Jungs angeworben, missbraucht und an Freier vermittelt haben. Jetzt steht er vor Gericht.

Seit Frank R., 42, und Markus E., 40, in U-Haft sitzen, sind die Rollläden des "Jayson's", einer Kreuzberger Shisha-Bar heruntergelassen. Die offiziell als Jugendtreff geführte Bar in der Eisenbahnstraße 15 steht seit Juni dieses Jahres leer - es soll Schauplatz eines der größten Missbrauchsfälle Berlins gewesen sein. Jungen im Alter von 12 und 16 Jahren sollen von den beiden mutmaßlichen Kinderschändern missbraucht und an Freier vermittelt worden sein.

Einer der beiden Hauptverdächtigen, Frank R., muss sich seit gestern im Saal 701 des Landgerichts Berlin wegen "Menschenhandels zum Zweck sexueller Ausbeutung, sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen und gefährlicher Körperverletzung" verantworten.

Der 42-Jährige hat sich mit dem gefährlichen HI-Virus infiziert. Trotzdem missbraucht er die Jungen, ohne Schutz. Die Anklage bezeichnet Frank R. als einen so genannten Hangtäter, welcher eine Gefährdung für die Allgemeinheit darstelle. Am ersten Prozesstag spricht sich die Anklage für eine Sicherungsverwahrung aus.
Frank R. hat sich zu den Vorwürfen nicht geäußert, er schweigt.
Mit seinem Kompagnon ging der Industriekaufmann gezielt vor: Er gab stets an Fotograf zu sein und lockte so die Jungen an. Ihnen wurde eine Karriere als Model versprochen. Die Internetseite www.athleticpromotion.de wurde mittlerweile eingestellt.
Zwischen 100 und 150 Euro haben die Jungs für ihre Dienstleistungen an den Freiern erhalten.
Die Anklage geht davon aus, dass Frank R. mindestens ein Drittel kassierte.
Ihre Opfer, meist deutsche Kinder aus finanziell schlechter gestellten Verhältnissen. Einige von ihnen mussten sich im "Jayson's" vor Gästen ausziehen und anfassen lassen.

Es waren langwierige Ermittlungen, welche schließlich zur Festnahme der einschlägig vorbestraften Männer führte. Sie begannen mit der Anzeige eines Nachbarn. Dieser wandte sich im Sommer 2007 an die Polizei, weil er sich über die jungen und Männer, die bei H. ständig ein -und ausgingen wunderte. Diese Spuren führten schließlich zu der Kreuzberger Shisha-Bar
In wenigen Wochen folgt das Hauptverfahren gegen Markus E., einen ehemaligen Pädagogik-Studenten. Ihm wird neben Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch von Jugendlichen zudem Zwang zur Prostitution und Vergewaltigung vorgeworfen.