Landgericht Berlin - 12. November 2008


Er hat seine Großeltern erstochen. Das Berliner Landgericht verhängte heute die höchstmögliche Jugendstrafe von zehn Jahren gegen den 19-Jährigen deutsch-Türken Erdal W.

Regungslos hörte dem Urteil zu.

Das Gericht sah es als bewiesen an, dass der Angeklagte aus Rache an seiner deutschen Mutter die Großeltern aus niederen Beweggründen ermordet hat.

Am 14. März dieses Jahres fuhr der völlig übeforderte Erdal W. zu der Wohnung im Edgeschoss seiner Großeltern nach Rudow. Seine Mutter hatte sich nach vielen gemeinsamen Ehejahren vom Erdals Vater getrennt und wandte sich kurze Zeit später einem anderen Mann zu, einem Arbeitskollegen.

Erdal kann die Trennung der Eltern nicht hinnehmen.
Anfangs hielt Erdal W. noch zu seiner Mutter. Von seinem Vater, einem Türken wurde er immerwieder gedemütigt und beleidigt. Als unsportlich, bekloppt und faul, solle der Vater seinen Sohn bezeichnet haben.

Den neuen Mann an Mutters Seite konnte der Angeklagteum keinen Preis akzeptieren und gab ihm die Schuld am Scheitern der Ehe seiner Eltern.

Den Vorsitz im Prozess hat Richter Uwe Nötzel. Er spricht von einer ausweglosen, von Hass gepägten Ausnahmesituation, in der sich der 19-Jährige befunden habe. Ausgangspunkt der Eskalation war ein Streit zwischen Erdals Eltern.


Im Dezember vergangenen Jahres, so der Vorsitzende, sei Erdal W. plötzlich in das Lager des Vaters gewechselt. Zusammen fuhren bei am 8. Januar in die Wohnung des Nebenbuhlers. Es kam zuerst zum Streit., dann folgten Tätlichkeiten, in deren Folge der damals 18-Jährige den am Boden liegenden Mann mit einem Messer schwer verletzte.

Es war nicht Erdals eigener Antrieb, vielmehr ist er vom Vater Sahin Ö. animiert und angespornt worden.

Erdals Vater wurde festgenommen, Erdal selber konnte untertauchen.

Eine Moabiter Strafkammer verurteilt Sahin Ö. zu fünfeinhalb Jahren Haft wegen Anstiftung zur schweren Körperverletzung.

Waum aber stach Erdal W. seine Großeltern brutal nieder?

Der 19-Jährige habe die Großeltern zu Ersatzopfern degradiert, zu Objekten herabgewürdigt, so der Richter.


Schwierigkeiten mit den Großeltern habe es vorher nie gegeben, sagt
Erdal W. im Gespräch mit einem Psychiater.

"Ich stand unter Schock"
, so der 19-Jährige.


Zu Beginn des Mordprozesses wurde ein psychiatrischer Gutachter befragt. Der 19-jährige solle, so der Gutachter, wenig Zugang zu seiner Emotionalität haben.

Einzige Bezugsperson von Erdal sei seine Mutter gewesen, das Verhältnis zum Vater - ambivalent.


Die Anklage geht davon aus, dass sich der Angeklagte an der Mutter räche wolle. Er fühlt sich verlassen.

Die Hoffnung, die Großeltern bewegen zu können die Mutter zur Rückkehr des Vaters zu überreden schlug fehl - es kam zum Streit.

Die Situation eskaliert. Erdal nimmt ein Küchenmesser und sticht zu. Mehrmals.

Der Angeklagte ist bewaffnet zu den Großeltern gefahren, auch eine Skimaske und Handschuhe hatte er dabei.

Das allein spräche bereits für eine geplante Tat und nicht für einen Handlung im Affekt.

Erdal verwickelt sich während des Prozesses in seinen Erklärungen immer wieder in Widersprüche.

Im Prozess steht auch die Frage im Raum, ob jemand aus der Familie den damals 18-Jährigen beeinflusst habe. Der Gutachter schließt das eher aus. Er sein ein junger Mann mit enormen Reife- und Entwicklungsdefiziten. Er wirke nicht manipuliert.

Das Berliner Landgericht verurteilt Erdal zu der höchstmöglichen Jugendstrafe von 10 Jahren. Die Verteidung plädierte auf Totschlag. Sie gab heute an in Revision zu gehen.